Bergbaudenkmal im Saarland gewürdigt

09.03.2016

Begegung von Vergangenheit und Zukunft auf Augenhöhe

Am Freitag, den 4. März 2016, wurde der Hammerkopf-Förderturm Camphausen IV im saarländischen Quierschied-Fischbach offiziell zum "Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst" in Deutschland erklärt. Auf der Festveranstaltung an der auch Bundesjustizminister Heiko Maas und Anke Rehlinger, stellvertretende Ministerpräsidentin des Saarlands, teilnahmen, wurden außerdem die besten Vorschläge des „Ideenwettbewerbs Camphausen“ zur zukünftigen Nutzung des Förderturms und des angrenzenden Areals vorgestellt und ausgezeichnet.

Foto: RAG Archiv

Selten kommt es vor, dass Vergangenheit und Zukunft sich zeitgleich und auf Augenhöhe begegnen. Genau das hatten die Ingenieurkammer des Saarlands und die Bundesingenieurkammer mit ihrer Festveranstaltung am ersten Märzwochenende auf dem alten RAG-Gelände angestrebt. Denn es sollte nicht nur die Geschichte eines bedeutenden Ingenieurbauwerks gewürdigt werden sondern es sollte gleichzeitig auch ein Ausblick auf die zukünftige Nutzungen der alten Bergbau-Ikone gegeben werden.

Der beeindruckende Hammerkopf-Förderturm über dem alten Schacht Camphausen IV, 40m hoch und zwischen 1910/12 errichtet, thront weithin sichtbar über dem Fischbachtal in Quierschied-Fischbach. Die Konstruktion wurde seinerzeit aus dem innovativen Werkstoff Eisenbeton in Form eines Hammerkopfs erbaut und konnte aufgrund dieser Form gleich zwei Fördermaschinen aufnehmen. Der Förderturm gilt weltweit als erster seiner Art. Konstruiert wurde er vom Oberingenieur Karl Walter Mautner (1881–1949). Realisiert hatte ihn die Saarbrücker Filiale der Firma Carl Brandt Eisenbetonbau.

Mit der feierlichen Tafelenthüllung wurde der Förderturm als erstes Bauwerk des Saarlands in die Reihe der Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland aufgenommen.

Die seit 2007 bestehende Auszeichnungsreihe „Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ wird von der Bundesingenieurkammer mit Unterstützung des Bundesbauministeriums getragen. Mit seiner Ausweisung als Historische Wahrzeichen steht der Förderturm nunmehr in einer Reihe mit so bedeutenden historischen Bauwerken wie dem Alten Elbtunnel in Hamburg, dem Stuttgarter Fernsehturm oder dem Flughafen Tempelhof in Berlin.

Foto: Becker & Bredel

Frank Rogmann, Präsident der Ingenieurkammer des Saarlands, sagte in seiner Begrüßungsrede vor den ca. 100 geladenen Gästen, dass er hoch erfreut ist, dass nun nach einer Vorbereitungszeit von mehreren Jahren, in denen sich die Ingenieurkammer nicht nur für die Würdigung eines historisch bedeutenden Zeugnisses eingesetzt hat, sondern auch mit dem Eigentümer RAG und der Landespolitik Lösungen für eine moderne Nutzung des Bauwerks gesucht hat, die Auszeichnung vorgenommen und Zukunftsideen aufgezeigt werden können.

Dazu wurde im August 2015 der „Ideenwettbewerb Camphausen IV von der Ingenieurkammer des Saarlandes ausgelobt, die vom saarländischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr, der Gemeinde Quierschied, der RAG Montan Immobilien GmbH sowie der RAG-Stiftung unterstützt wurde. Alle Beteiligten einte das Ziel, das materielle Erbe der 1990 beendeten Steinkohlenförderung in Fischbach-Camphausen zu sichern, wofür insgesamt 100.000,- Euro bereitgestellt wurden.

"Die beim Ideenwettbewerb ausgezeichneten Konzepte lassen sich gut miteinander kombinieren. Mit diesem Strauß von Ideen haben wir Möglichkeiten aufgezeigt, mit denen man auf die Suche nach Investoren gehen kann, um eine Leitinvestition für den Standort zu generieren.“, äußerte sich Rogmann zuversichtlich zur Zukunft des Standortes. Weitere Informationen zum Ideenwettbewerb können dem als Anlage beigefügten Artikel entnommen werden.Bundesjustizminister Heiko Maas, der in seiner Zeit als saarländischer Wirtschaftsminister den Ende 2015 abgeschlossenen „Ideenwettbewerb Camphausen“ mit auf den Weg gebracht hatte, war froh über die interessanten Ergebnisse des Wettbewerbs. Anke Rehlinger, Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin unterstrich, dass es für die Landesregierung ein wichtiges Anliegen ist, die große Tradition des Bergbaus an der Saar mit Beispielprojekten, wie der angestrebten Nachnutzung des Förderturms lebendig zu erhalten.

Mit der Auszeichnung wurde ein Bauwerk gewürdigt, das zu seiner Zeit wegweisend war. Die neuartigen elektromechanischen Antriebe konnten dank ihrer Laufruhe in großer Höhe oberhalb des Doppelschachtees angeordnet werden. Die Eisenbetonkonstruktion war aufgrund ihrer großen Steifigkeit in der Lage, die dabei auftretenden Kräfte ohne größere Verformungen aufzunehmen. Hans-Ullrich Kammeyer, Präsident der Bundesingenieurkammer, sagte: „Damit erhält das Saarland sein erstes Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst und ich hoffe es werden weitere folgen. Potenzial gebe es jedenfalls genug“.

In seinem Festvortrag erläuterte Delf Slotta, ein profunder Kenner des Bergbaus im Saarland, die Besonderheiten des Bauwerks. Er berichtete dabei auch über neue Erkenntnisse, die bei der Recherche zu der neuen Broschüre über das Bauwerk ans Licht kamen. Das reichbebilderte 100-seitige Büchlein erscheint Ende März 2016 im Rahmen der Schriftenreihe zu den Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst und wurde von Delf Slotta und Alexander Kierdorf verfasst. Die Broschüre kann zum Preis von 9,80 telefonisch bei der Bundesingenieurkammer (030-2589 88 226) oder im Internet unter www.bingk.de/order-hw bestellt werden. 

Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der RAG Montan Immobilien GmbH


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